Die Krankeit des ADAC

Vielen von uns haben sie geholfen, die gelben Engel des ADAC. Mal kochte der Kühler, dann riss der Keilriemen. Die flinken Helfer waren schnell zu Stelle und mit fachmännischen Handgriffen war das Problem schnell gelöst. Im Notfall ging’s per Abschleppseil zur nächten Werkstatt. Die reine Pannenhilfe wuchs weiter und es kam die Flugrettung hinzu. Die gelben Christoph Hubschrauber retteten vielen Menschen das Leben, indem sie schnell vor Ort waren. Passierte im Ausland ein Unfall, ging es mit dem Ambulanz-Jet zurück in die Heimat. Nicht umsonst erhielten sie den Namen Gelbe Engel.

Doch dann kam ein schlimmer Fehltritt.

Chr 5 An einen gemeinnützigen Verein klammerte sich die parasitäre Wirtschaft und begann Konzernstrukturen zu schaffen. Wissenschaft schafft Wissen, Wirtschaft schafft Wirte. So wurden die Mitglieder nun zu Kunden, die man nun mit wirtschaftlichen Mitteln anzapfte. Neben dem nützlichen Schutzbrief gab es nun auch Versicherungen, Reisen, Finanzdienstleistungen, Mobilfunktarife und die ADAC-Motorwelt quoll über vor Werbung. Die Gier dieser parasitären Strukturen wurde immer größer und durchwucherte den ganzen Club. Die Gelben Engel sollten nun sogar überteuerte Batterien verkaufen um die Gewinnmaximierung voran zu treiben. Es gipfelte dann im Manipulationsskandal um den Gelben Engel Preis des beliebtesten Autos der Mitglieder.

Am Beispiel ADAC wird das parasitäre Verhalten dieser Wirtschaft sehr deutlich. Der Automobilclub hat viele Mitglieder, potentielle Wirte, denen man das Geld aus der Tasche zieht. Gewinnmaximierung bis zum Letzten. Schon beim Bau der ADAC Zentrale wurde sichtbar, dass sich die Führung des Vereins in einem Wirtschaftskonzern wähnt und die Gemeinnützigkeit nur noch ein Deckmantel ist. Das gleiche finden wir auch bei Rettungsdiensten und Krankenhäusern. Gemeinnützige Institutionen die nun wirtschaftlich arbeiten müssen und womöglich Gewinne erzielen sollen.

Je mehr wir es zulassen, dass diese parasitären Wirtschaftsstrukturen unsere sozialen Systeme asozialisieren, umso mehr verliert unsere Gesellschaft ihre Menschlichkeit. Menschen werden zu Kunden, heute gleichbedeutend mit Wirten, die es systematisch auszusaugen gilt. Hauptsache man kommt an ihr „Bestes“, das Geld.

Nachdem heute der ADAC Präsident zurücktrat, wenigstens ein Mann mit Rückgrat beim ADAC, wird man dort nicht um herkommen, sich neu aufzustellen. Gesund wäre es, sich der parasitären Wirtschaft wieder zu entledigen und sich auf die eigenen Wurzeln zu konzentrieren. Helfen statt Aussaugen, so wie es sich für wahre Engel gehört. Denn eines sollten wir nicht vergessen. Wir, die Mitglieder, sind der ADAC und nicht die Führungsspitze. Ohne uns ist der ADAC nichts und da die Gelben Engel wirklich was bewegen, sollten wir darum kämpfen, dass unser ADAC nicht weiter durch wirtschaftliche Gier korrumpiert wird.

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